ute`s Fotoblog

Beiträge mit Schlagwort “Gedicht

Osterspaziergang

Ihr kennt sicher den Osterspaziergang von Goethe.

Gestern erhielt ich dieses Gedicht umgedichtet passend zu unsere heutige Zeit.

Ich danke dem Autor Claus Peter Poppe  für die Genehmigung, sein Gedicht hier veröffentlichen zu dürfen.

Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Chrom und Bleche
durch Waschmittel und des Frühlings wärmenden Blick.
Im Tale dröhnt Motorenglück.
Die Winterreifen in ihrer Schwäche
rollt man in dunkle Garagen zurück.
Von dorther brechen nun brummend hervor
mächtige Wagen zu tollem Gerase,
vereinen sich zu einem tosenden Chor,
den Himmel verdunkeln die Auspuffgase.
Überall regt sich der Werbung Streben,
überall will man den Umsatz noch heben.
Doch an Blumen fehlt`s im Revier,
wir seh´n geputzte Autos dafür.
Kehre dich um von diesen Brücken,
auf die Autobahn zu blicken!
Aus dem schmalen Raststättentor
drängt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder drückt auf das Gas heut so gern.
Wen kümmert die Auferstehung des Herrn?
Sieh nur, sieh! Wie schnell sich die Menge
auf den Straßen und Wegen verkeilt,
wie ein Stau in Breit und Länge
vor dem nächsten Engpass verweilt.
Und bis zum Achsbruch überladen
Entfernt sich hier ein Caravan.
Schon von des Berges fernen Pfaden
blinken uns grelle Scheinwerfer an.
Gar mancher fährt zu früh gen Himmel
aus diesem Straßen-Schlacht-Getümmel.
Zerschlagen fragt sich Groß und Klein
Bin ich hier Mensch? Muss das so sein?

Claus Peter Poppe, Quakenbrück


Es muss doch Frühling werden

Ein Gedicht von Emanuel Geibel, das ich ein wenig bebilder habe, gibt uns Hoffnung auf den Frühling:

Hoffnung

Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muß d o c h Frühling werden. 


Und drängen die Nebel noch so dicht
Sich vor den Blick der Sonne,
Sie wecket doch mit ihrem Licht
Einmal die Welt zur Wonne.


Blast nur ihr Stürme, blast mit Macht,
Mir soll darob nicht bangen,
Auf leisen Sohlen über Nacht
Kommt doch der Lenz gegangen.


Da wacht die Erde grünend auf,
Weiß nicht, wie ihr geschehen,
Und lacht in den sonnigen Himmel hinauf,
Und möchte vor Lust vergehen.


Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar
Und schmückt sich mit Rosen und Ähren,
Und läßt die Brünnlein rieseln klar,
Als wären es Freudenzähren.


Drum still! Und wie es frieren mag,
O Herz, gib dich zufrieden;
Es ist ein großer Maientag
Der ganzen Welt beschieden.


Und wenn dir oft auch bangt und graut,
Als sei die Höll‘ auf Erden,
Nur unverzagt auf Gott vertraut!
Es muß d o c h Frühling werden..

Emanuel Geibel


Frohe Weihnachten

An der Strassenecke

An der Strassenecke, in der Häuser Gedränge,
in der Grossstadt wogender Menschenmenge,
inmitten von Wagen, Karren, Karossen
ist heimlich ein Märchenwald entsprossen,
von leisem Glockenklingen durchhallt:
von Weihnachtsbäumen ein Tannenwald.

Da hält ein Wagen, ein Diener steigt aus
und nimmt den grössten Baum mit nach Haus.
Ein Mütterchen kommt, und prüft und wegt,
bis endlich den rechten sie heimwärts trägt.
Verloren zur Seite ein Stämmchen stand,
das fasste des Werkmanns ruhige Hand.
So sah ich einen Baum nach dem andern
in Schloss und Haus und Hütte wandern,
und schimmernd zog mit jedem Baum
ein duftiger, glänzender Märchentraum. –

Frohschaukelnd auf der Zweige Spitzen
schneeweissgeflügelte Englein sitzen.
Die einen spielen auf Zinken und Flöten,
die andern blasen die kleinen Trompeten,
die wiegen Puppen, die tragen Konfekt,
die haben Bleisoldaten versteckt,
die schieben Puppentheaterkulissen,
die werfen sich mit goldenen Nüssen,
und ganz zuhöchst, in der Hand einen Kringel,
steht triumphierend ein pausbackiger Schlingel.

Da tönt ein Singen, ein Weihnachtsreigen –
verschwunden sind alle zwischen den Zweigen.
Am Tannenbaum hängt, was in Händen sie trugen.
Ein Jubelschrei schallt; und von unten lugen
mit Äuglein, hell wie Weihnachtslichter,
glückselig lachende Kindergesichter.

(Jakob Loewenberg 1856-1929)


Frühlingsgedicht :-)

Eine Bekannte hat mich gestern auf ein Frühlingsgedicht von Friederike Kempner aufmerksam gemacht. Sie lebte von 1836 bis 1904, hat ihre Gedichte durchaus ernst genommen und wurde aber von ihrer Umwelt belächelt. Auch ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Vielleicht habt ihr auch ein wenig  Spaß daran 🙂

Wenn der holde Frühling lenzt ……………….

Wenn der holde Frühling lenzt
Und man sich mit Veilchen kränzt,
Wenn man sich mit festem Mut
Schnittlauch in das Rühren tut,
Kreisen durch des Menschen Säfte
Neue ungeahnte Kräfte –
Jegliche Verstopfung weicht,
Alle Herzen werden leicht,
Und das meine fragt sich still:
„Ob mich dies Jahr einer will?“

Friederike Kempner


Dorf und Feld

Bei Bärbel lese ich immer wunderschöne Gedichte, die sie zu ihren Bildern zitiert. Das gefällt mir sehr und ich möchte es jetzt auch mal versuchen.

klick mich

Dorf und Feld

Draußen an dem letzten Haus

Blick‘ ich froh in’s Feld hinaus,

Blick‘ ich froh in’s Dorf zurück,

Wählend zwischen Beider Glück,

Und zufrieden ganz gesellt

Durch den Bund von Dorf und Feld.

Karl Mayer

Aus der Sammlung Vom Lande